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Der Wal
(Text und Musik: L. Köster 2026)

Ein verirrter Wal erobert die Medien.
Die Bürger eilen besorgt zum Strand. Politiker engagieren sich.
Es wird gespendet, es wird gesendet.

Ich habe diese rührende Geschichte einem Menschen erzählt, 
der sich für meinen Euro Spende keine Zeitung kaufen kann, 
wohl nicht einmal eine Mahlzeit.


Die Noten:wal_v104.pdf 

Ein Partiturvideo zum hören und mitlesen:


Wär' ich ein Wal

Wär' ich ein Wal verirrt im Watt,
durch Jugend Wahn auf flachem Sand

Es ging ein Aufschrei durch die Stadt.
Der Bürger eilt besorgt zum Strand

Der Herr Ministerpräsident
hätt' sich in Neopren gezwängt

Der Immobilienkonzern
hülf, gegen Spendenquittung, gern.

Wär' ich ein Wal.

Doch ich bin nur ein Mensch in Not
ohn' Arbeit, ohne Obdach, ohne Brot,
wund und im Gestank am Straßenrand.

Auch ich bin einst vorbeigerannt.
Mir braven, fleiß'gen Untertan
würd' so ein Unrecht nicht getan

Investor-Rendite-Abzähl-Spiel.
Zehn kleine Mieterlein, einer, einer, einer...
ich war zuviel.

Die Brücke fängt den Winterwind.
Der Frost zählt Löcher im Gewand

Am Nordpol angekommen scharrt ein Kind,
das einst aus Menschen warmer Hand ins Glück gerannt.

Mitmenschen, welchen Wölfen seid ihr Untertan
daß ihr dem Nachbarn eure Tür'n versperrt?

Welch Demagogen seid ihr zugetan,
daß ihr die Mieterpresser, Investoren, Spekulanten, Bodenschieber,
Städtefresser, Funktionäre, Janusköpfe, Eidbrecher, Ausbeuter...
daß ihr diese, nach alledem, mit Höflichkeit verehrt?

Die Sonne scheint, das Schutzfloß hebt den Wal.
Im tiefen Wasser endet seine Qual.

Doch seht mich Mensch,
ich bin kein Wal.

Ein Mensch ist schnell egal